Durch die digitale Transformation und die künstlicher Intelligenz steigen die Kompetenzanforderungen in der Finanzindustrie. In diesem Beitrag stehen die modernen Fachkompetenzen für die Zukunftsfähigkeit von Verwaltungsräten, Geschäftsleitungsmitgliedern und Fachspezialisten im Fokus.
Blogartikel von Prof. Dr. Bernhard Koye & Lara Düding
Zukunftsfähigkeit durch Fachkompetenz
1. Fachkompetenz als eine von drei Dimensionen persönlicher Zukunftsfähigkeit
Als Verwaltungsrat oder Geschäftsleitungsmitglied oder auch als Fachspezialist verfügt man meist über profundes betriebswirtschaftliches Fachwissen. Duch die Entwicklungen des digitalen Zeitalters gilt es, dieses in immer kürzeren Zyklen kontinuierlich zu aktualisieren – und zudem die Fähigkeit zu entwickeln, das eigene Fachwissen in modernen Kollaborationsformen in Wirkung ummünzen zu können. Dies ist die entscheidende Kombination für fachliche Zukunftsfähigkeit.
Das Swiss Next Gen Finance Institute (SNGFI) erforscht die Leitplanken für die Zukunftsfähigkeit von Fach- und Führungskräften bei Finanzdienstleistern. Im Rahmen unserer aktuellen Blogserie beleuchten wir die sich verändernden Kompetenz- und Kollaborationsanforderungen. Die digitale Transformation und insbesondere der nun effektiv zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz verändern die DNA der Wertschöpfung von Organisationen unaufhaltsam. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Einflussfaktoren für persönliche Zukunftsfähigkeit. Die Herausforderungen stellen sich auf drei Ebenen:
- Es gilt zum einen, den betriebswirtschaftlichen Werkzeugkasten auf die zukünftigen Herausforderungen auszurichten (Fachkompetenz).
- Darüber hinaus steigen die Anforderungen an die persönliche Resilienz und Selbstführung in den neu entstehenden Arbeitsformen (Persönlichkeitskompetenz).
- Schliesslich verändern sich die Anforderungen an das Kollaborations- und Führungsverständnis und -verhalten nachhaltig (Zusammenarbeitskompetenz).
2. Vier Säulen wirkungsvoller betriebswirtschaftlicher Fachkompetenz im digitalen Zeitalter
Wirkungsvolle Fachkompetenz im digitalen Zeitalter basiert auf den folgenden Säulen:
- Geschäfts und Marktverständnis – Verstehen, wie Wert in modernen Wertschöpfungsarchitekturen entsteht.
Das moderne Verständnis der Bausteine für Wertschöpfung – Geschäftsmodelle, Kundenlogiken, Marktmechanismen und finanzielle Zusammenhänge. Die Begriffe sind dabei nicht neu, wohl aber verändern & agilisieren sich die Ausprägungen vor dem Hintergrund der modernen modularisierten Geschäftsmodell-Logiken - Analytische und konzeptionelle Kompetenz – Komplexität durchdringen und strukturieren.
Die sich modularisierende Arbeitswelt bringt verzahntere Fragestellungen mit sich – diese erfordern strukturierte Analysen und verzahnende Herleitung von Lösungsansätzen. Analytische Tiefe & Fachwissen sind daher siamesische Zwillinge auf dem Weg zu fundierten und wirksamen Entscheiden auch unter Unsicherheit in diesen dynamischeren Arbeitswelten. - Digitale und adaptive Kompetenz – Zukunft verstehen und anschlussfähig bleiben.
Technologie ist ein zentraler Treiber – und die Halbwertszeit von Wissen verkürzt sich mit steigender Geschwindigkeit. Die Fähigkeit & das Selbstverständnis, sich kontinuierlich fachlich weiterzuentwickeln, wird deshalb ebenso zur Schlüsselkompetenz wie das Verständnis der digitalen Technologien und die Fähigkeit zur Nutzung derselben im Business-Kontext. Es gilt, die notwendigen KI-Kompetenzen zu entwickeln.
Diese lassen sich in drei Bereiche unterteilen:
– Soziale Fähigkeiten: Dies sind die Kompetenzen, die sich auf die Interaktion mit Mitmenschen beziehen: Kreativität, Problemlösungsfähigkeit, unternehmerisches Denken)
– Objektbezogene Fähigkeiten: Diese Kompetenzen ermöglichen, KI-Systeme zu entwerfen, zu entwickeln und zu implementieren: KI-bezogene Kommunikation, Systemdesignkompetenz, kritische digitale Kompetenz)
– Subjektbezogene Fähigkeiten: Hier geht es um die eigenen Kompetenzen im Umgang mit Technologie: aktive Steuerungsfähigkeit und gezielte Nutzungskompetenz von KI. - Umsetzungs- und Wirkungskompetenz – effektive Wirkung erzielen.
Fachliche Exzellenz bedeutet auch, Lösungen in konkrete Resultate überführen und Ergebnisse messbar verantworten zu können. Vor dem Hintergrund der verzahnteren Arbeitswelt bedingt dies neben dem modernen fachlichen auch einen entsprechenden gruppendynamischen Werkzeugkasten (vgl. die Teile 2 und 3 unserer Blogserie).
3. Drei Leitplanken für den Auf- & Ausbau moderner Fachkompetenz
Die Vorstellung, dass man mit punktuellen Massnahmen beruflich und organisational erfolgreich bleiben wird, wird vor dem Hintergrund der exponentiell steigenden Entwicklungsgeschwindigkeit zunehmend bedrohlich. Vor diesem Hintergrund und den wahrnehmbar zunehmenden Bruchstellen in der Wirkung von klassischen Instrumentarien können die folgenden Leitplanken für den Aufbau zukunftsfähiger Fachkompetenzen formuliert werden:
- Weiterentwicklung entlang technologischer und marktbezogener Veränderungen.
Fachliche Skills sind kein statischer Zustand. Lern- & Entwicklungsprozesse werden sinnvollerweise systematisch im Arbeits- und Lebensalltag verankert.
Dabei gilt es, die Kernelemente für Zukunftsfähigkeit im digitalen Zeitalter inhaltlich zu verstehen (z.B. KI) und deren Auswirkungen auf den eigenen Arbeitskontext nicht zu verpassen. - Verknüpfung von Wissen und Anwendung im Arbeitskontext.
Die Notwendigkeit der Gleichzeitigkeit von Anwendung und Weiterentwicklung wird zur Realität. Kompetenz entsteht erst durch die Verknüpfung mit Anwendung. Die gewählten Entwicklungsformate sollten daher konsequent auf reale Fragestellungen und konkrete Umsetzungssituationen ausgerichtet sein – um das Kontextverständnis ‚on the job‘ zu entwickeln und um ‚Real-time‘ Entwicklungsschleifen zu ermöglichen. - Systematischer Aufbau eines integrierten Kompetenzmodells.
Organisationen sollten Fachkompetenz nicht isoliert entwickeln, sondern entlang der vier zentralen Kompetenzfelder strukturiert ausbauen. Nur so entsteht ein konsistenter Werkzeugkasten für wirksame Entscheidungen und Umsetzung.
4. Fazit
Fachliche Zukunftsfähigkeit entsteht inskünftig durch die Fähigkeit, relevantes Wissen kontinuierlich zu aktualisieren und dieses dann im richtigen Kontext auch wirksam einzusetzen. Die Ausrichtung der Entwicklungsschritte von Verwaltungsräten, Geschäftsleitungsmitgliedern und Fachspezialisten an den dargelegten vier zentralen Kompetenzfeldern und drei Leitplanken schafft die Grundlage für nachhaltige Wirkung in einem zunehmend dynamischen Umfeld.
Für einen strategischen Dialog an den Potenzialen für Ihre Organisation freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.
Prof. Dr. Bernhard Koye
Academic Director am SNGFI. Pionier in der Erforschung der Auswirkungen der Digitalisierung auf Geschäftsmodelle, Organisationen und Menschen mit Fokus auf den Praxistransfer.
Langjährige internationale Erfolgsausweis als Executive, Forscher und Coach in Strategie-, Transformations- und Innovationsthemen sowie in der Begleitung von Top-Management-Teams und als Executive Developer.
Verbindet wissenschaftliche Tiefe mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz als anwendungsorientierter Forscher, Coach und Sparringspartner für Entscheidungsträger.
Lara Düding
Research Specialist am SNGFI mit Fokus auf strategische Trend- und Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen.
Erfahrung im UX-Research sowie im Marketing mit Fokus auf das Verständnis von Nutzerverhalten und wirkungsrelevanten Entscheidungslogiken.
Spezialisiert auf die empirische Analyse von Kunden- und Entscheidungsprozessen mit wirtschaftspsychologischer Perspektive.